In meinem freiwilligen Jahr arbeite ich im Waldorfkindergarten an der Waldorfschule in Windhoek . Üblicherweise haben Waldorfschulen auch ein Kindergarten vor Ort.
In meinem Kindergarten gibt es zwei Gruppen mit jeweils neun Kindern. Die Boma-Gruppe ist in einer kleinen runden Hütte mit einer Küchenzeile und einem kleinen WC. Das Honeyhouse, die zweite Gruppe, ist hingegen deutlich größer und hat auch nicht die typische Waldorfform. In dieser Gruppe gibt es zusätzlich noch zwei Hochbetten für die Kinder in der Nachmittagsbetreuung (bis 17:00 Uhr). Direkt daneben befindet sich der Spielplatz mit einer Sandkiste, einer Wippe und einem Klettergerüst.

Ich arbeite zusammen mit einer Erzieherin in der Boma und ab und zu kommt noch eine Aushilfe für ein paar Stunden dazu. Unser Tagesablauf an den Wochentagen ist fast immer gleich. Der Hauptgrund dafür ist, dass die Kinder Routine brauchen. Man kann immer wieder beobachten, das Veränderungen, wie z.B. das Fehlen eines Betreuers, für die Kinder Stress bedeutet und sie nicht so gut damit klar kommen.
Morgens um 7:00 fange ich an zu arbeiten. Der Kindergarten öffnet dann eigentlich erst, allerdings sind manche der Kinder schon um 6:30 da und warten darauf, dass eine der Kindergärtnerinnen ihnen die Boma oder das Honeyhouse aufschließt.
Bis um 9:00 Uhr dürfen die Kinder spielen und wir bereiten dann gemeinsam das Frühstück (Brunch) zu. Montags gibt es Milipapp (Maisbrei), Dienstag süßes Brot mit Marmelade, Mittwoch Haferbrei, Donnerstag Nudeln und Freitag machen wir zusammen mit den Kindern Pizzabrot.
Um 9 wird dann aufgeräumt und danach machen wir unseren Morgenkreis. Wir spielen dann ein paar Gruppenspiele wie „Häschen hüpf“ oder „Mein rechter Platz ist frei“, aber wir üben, mit den Kinder wären des Morgenkreises auch bis 10 zu zählen und die Wochentage in der richtigen Reihenfolge aufzusagen, sowohl in Englisch als auch in Deutsch.
Im Kindergarten werden mehre Sprachen gesprochen. Die anderen Betreuerinnen sprechen Englisch, Afrikaans oder Damara (eine einheimische Stammessprache mit Klicklauten) mit den Kindern und ich soll mit den Kindern Deutsch sprechen. Für die Menschen ist es in Namibia von großem Vorteil, wenn sie auch Deutsch sprechen können, da es in manchen Jobs von ihnen verlangt wird.
Eigentlich können alle Menschen in Namibia zwischen zwei bis vier Sprachen sprechen. Darunter ist immer Englisch und meistens Afrikaans. Deutsch können auch einige, aber eher die Leute, die im Tourismus tätig sind oder die deutsche Vorfahren haben. Dazu kommt bei vielen noch ihre Stammessprache. Eine meiner Mitarbeiterinnen kann sogar Damara, Oshiwambo, Englisch, Afrikaans und Deutsch.
Nach dem Morgenkreis waschen wir uns die Hände und frühstücken gemeinsam. Nach dem Frühstück putzen die Kinder ihre Zähne und eine von uns Betreuerinnen wäscht ab. Im Anschluss gehen wir fast immer zum Honeyhouse, um auf dem Spielplatz zu spielen. Manchmal bleiben wir aber auch bei der Boma und basteln etwas. Danach machen wir um kurz vor 13 Uhr nur noch unsere Verabschiedung, die auf Deutsche ist:
Auf Stein und auf Erden da steh ich so gern. Schaut morgens die Sonne und nachts dann die Stern. Ich schwimme mit den Wellen und tanze mit dem Wind, zwischen Erde und Himmel ein fröhliches Kind. Und wenn wir jetzt nach Hause gehen, dann sagen wir auf Wiedersehen, auf Wiedersehen, es war so schön. Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen, bis morgen früh um acht. Bis die Kindergartensonne wieder lacht.
Um 13 Uhr werden die meisten Kinder von ihren Eltern oder Geschwistern abgeholt. Zum Mittagessen, um kurz nach 13 Uhr bleiben nur fünf Kinder, die dann am Nachmittag zwischen 15 und 17 Uhr abgeholt werden. Manchmal bleibt ein Kind bis um 18 Uhr, was eigentlich über unsere Nachmittagsbetreuung-Zeiten hinaus geht, aber nicht zu ändern ist, da die Eltern arbeiten müssen. Ich bin nicht die ganze Zeit in der Nachmittagsbetreuung, da ich zwischendrin noch eine Mittagspause von 13:30 bis 16 Uhr habe/manchmal auch nur bis um 15 Uhr.
Die Arbeit im Kindergarten macht mir sehr viel Spaß. Die Kinder hören „meistens“ auf das was man sagt. Wenn ich alleine bin stellen sie mich auch gerne einmal auf die Probe. Sie haben ein großes Interesse neue Sachen zu lernen und machen bei bekannten Liedern oder Sprüchen lautstark mit. Mit den anderen Erzieherinnen verstehe ich mich super.